Was ist Storylistening?
Wer erzählen will, muss zuerst zuhören. Nicht höflich, selektiv, und mit dem Teleobjektiv aus sicherer Distanz. Er muss an den Ort der Wertschöpfung gehen, zu den Menschen, die es wissen – und natürlich auch zu denen, die ihm widersprechen. Storylistening ist die Kunst, aktiv und hemmungslos offen zuzuhören, ohne sich von der eigenen Ideologie ablenken zu lassen. Anstatt die erwartbare Antwort zu wählen, die durch bequemes Denken möglich ist, gehen wir den Dingen wirklich auf den Grund. Wir wollen sie so sehen und verstehen, wie sie wirklich sind. Es gilt die Faustformel: 80 Prozent des Storytellings ist Storylistening, die restlichen 20 Prozent sind Handwerk.
Warum braucht ein Unternehmen Storylistening?
Führungskräfte leben häufig im Potemkinschen Dorf: Wenn der Vorstand kommt, werden die Toiletten geputzt, die Bodenbeschriftungen neu lackiert und die Schilder erneuert, damit alles glänzt. Hundert Meter weiter, da wo sein Weg nicht vorbeiführt, sieht es aber ganz anders aus.
Wer nur durch das Teleobjektiv schaut, sieht eine geschönte Wahrheit, dabei liegen die Lösungen auf der Straße – wenn man hingeht, um sie zu finden. Das „nicht wissen“, das „sich nicht bewusst sein“ ist der gefährlichste blinde Fleck der Managementebene. Wir sind heute sehr stark im mathematisch-statistischen Betrachten der Dinge gefangen und übersehen die Kreativität und das Genie des Chaos. Storylistening öffnet genau diesen Raum.
Praxisbeispiel
In einem großen Industrieunternehmen haben wir vor jeder Maßnahme, vor jedem Film, vor jedem Kommunikationskonzept zunächst nur zugehört. Abteilung für Abteilung, Mensch für Mensch – ohne Agenda, ohne Bewertung. Was dabei zutage kam, war nicht das, was die Führung zu wissen glaubte. Es waren Geschichten, Widerstände, Sehnsüchte und Potenziale, die in keiner Präsentation auftauchten, weil niemand danach gefragt hatte. Erst durch Storylistening haben wir eine Kommunikationsgrundlage geschaffen, die wirklich tragen konnte. Ohne das wären alle Maßnahmen verpufft.
Wieso ist Storylistening so wichtig?
Was ich verdränge, beherrscht mich. Was ich anschaue, befreit mich – und macht mich zum besseren Erzähler. Buddha hat die heilige Stadt verlassen, nicht um zu predigen, sondern um zu lernen. Im Gegensatz dazu gingen Chinas Kaiser unter, als sie aufhörten, ihre heilige Stadt zu verlassen. Die Mauer wurde zum Gefängnis.
Martin Buber nennt das die Ich-Du-Beziehung: Erst wenn ich dem anderen wirklich begegne – nicht als Objekt meiner Analyse, sondern als Subjekt, mit seiner eigenen Wahrheit – entsteht echtes Verstehen, die Empathie, der Perspektivwechsel. Das eigentlich Paradoxe dabei ist, dass man beim Widersacher am meisten lernt. Beim Experten, der anderer Meinung ist. Beim Kunden, der unzufrieden ist. Beim Mitarbeitenden, der schweigt. Ohne Antagonisten gibt es keine Entwicklung und keine Transformation. Deshalb gilt immer „Embrace the shadow“. Erst mutig und geduldig zuhören, dann klare Botschaften formulieren.
Was ist die Rolle von Waltermedia?
Der erste Schritt ist immer das Storylistening. Bevor eine einzige Kamera aufgebaut, bevor ein einziger Text geschrieben wird, gehen wir in die Unternehmen hinein. Dort besuchen wir Orte der Wertschöpfung, reden mit Menschen auf allen Ebenen. Wir hören uns, was sie sagen, was sie gerne sagen würden und auch was zwischen den Zeilen schweigt.
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